Titus Bellwald -

Titus Bellwald -

Schlagwerker

Meine Instrumente

Im klassischen Schlagwerk interessieren mich besonders die Nischen. Klang- und Geräusch-Spezialitäten haben mich seit je angezogen und deshalb entwickelte ich im Bereich der Neuen Musik einen Schwerpunkt. Aber auch Alte Musik bietet klangliche Gestaltungs-Freiräume wo ich mich mit meinem speziellen Instrumentarium entfalten kann. Genre-Grenzen sind mir unwichtig, ich spiele von Tanzmusik der Renaissance bis zu Naturjodel sehr unterschiedliche Musiken. Damit Sie sich von den Instrumenten ein Bild machen können, stelle ich hier die wichtigsten Gruppen vor und beschreibe einige Einzelstücke näher.

 Rahmentrommeln

(diverse Hersteller)
rahmentrommeln
Rahmentrommeln gehören zu den ältesten Musikinstrumenten der Welt. Ich spiele verschiedenste Rahmentrommeln, von grossen mit Durchmessern um 50 cm bis zu kleinen, die man im Stehen in den Händen haltend spielen kann – gebaut wurden sie von DavidRoman Drums (David Faulwasser und Roman Dill in Berlin) und Cooperman (Vermont, USA).

 Tombak

(Iran, Helmi, Davood Radman und andere)
Tombak Davood Radman
Die Persische (Iranische) Tombak (auch als Zarb bekannt) ist das wichtigste Schlaginstrument in der Klassischen Persischen Musik. Die Spieltechnik ist sehr reich, wodurch eine grosse Palette an verschiedenen Klangfarben erzeugt werden kann. Daher kann das Instrument sehr vielfältig eingesetzt werden.
Die hier abgebildete Trommel wurde von Davood Radman gedrechselt und von mir mit einer Schellackpolitur versehen.

 Riq

(arabisches Tamburin)
Riqzwei exklusive Riqs: hinten eine mit Perlmutt und Holz eingelegte Riq von Titus Bellwald, vorne eine von Titus Bellwald mit Perlmutt und Celluloid eingelegte Riq von Lev Elman
Das Tamburin Riq ist noch vor der Darbuka das führende Schlaginstrument der klassischen arabischen Musik. Sein Dynamikumfang und Farbenreichtum sind erstaunlich. Es gibt zwei Spielpositionen mit deutlich unterschiedlichem Klangcharakter: bei der „klassischen“ oder Fell-Position halten beide Hände das Instrument und die Finger liegen auf dem Fell. Dadurch ist der Klang gedämpft und zum spielen offener Schläge müssen die Finger vom Fell abgehoben werden. Bei der „Cabaret-„ oder Schellen-Position hält eine Hand das Instrument – man spielt mit ihren Fingern auch auf den Schellen und schüttelt das Instrument – und die andere wird zum Schlagen von Fell und Schellen verwendet.
Meine Riqs kommen u. A. von Nakhle, Kevork, Lev Elman und aus meiner eigenen Fabrikation.

 Tamburello

(italienisches Tamburin)
Foto: La Bottega della Tarantola, Gian Piero Donno
Das Tamburello ist die italienische Variante des Schellentamburins. Fast jede Region kennt eigene Spielweisen, gemeinsam ist den meisten aber das Spiel des triolischen Grundpulses aus einer einzigen Bewegung heraus. Ich habe mit Roberto Chiga und Andrea Piccioni sowohl traditionelle als auch moderne Techniken studiert und spiele Tamburelli vorwiegend in Alter (Tanz-)Musik.

 Becken, Glocken, Gongs und Klangschalen

(Türkei, China, Nepal und andere)
Becken kamen über die Militärmusik des Osmanischen Reiches (Janitscharen) nach Europa. Aus der Türkei kommen auch heute viele hochwertige handgefertigte Becken. Neben den türkischen Becken gibt es auch eine grosse Zahl fernöstlicher Bauformen - mit ganz anderen Klangfarben als die türkischen Becken. Becken und Glocken gibt es in unzähligen Varianten, die klangliche Bandbreite ist enorm. Anders als die meisten Trommeln klingen diese metallischen Klangerzeuger lange nach.

 Udu

(Tonkrug)
Die Udu stammt aus Westafrika. Im wesentlichen ist sie ein umfunktionierter Tonkrug. Auf der Keramik können helle Klänge erzeugt werden und der Hohlraum kann durch Schläge auf die Öffnung zum Schwingen angeregt werden, was runden Ton erzeugt (je nach Grösse des Kruges mehr oder weniger tief).
Ich spiele Udus von Terre et Son und Descarga Percussion.

 Barockpauken

Als Barockpauken werden Kesselpauken ohne zentrale Stimmmechanik bezeichnet. Die Bezeichnung ist ein wenig verwirrlich, denn diese Bauform wurde nicht nur im Barock verwendet, sondern war bis in die 2. Hälfte des 19. Jhdts üblich. Im Vergleich zu modernen Pauken sind die Kessel im Durchmesser deutlich kleiner und oft auch flacher. Die Felle wurden lange Zeit direkt auf den Spannreif gewickelt, statt dass man einen separaten Fellwickelreifen verwendete.
In meiner Sammlung finden sich 3 unterschiedliche Sätze von Barockpauken:

Barockpauken

(2 Einzelinstrumente, Deutschland 18. Jhdt)
Die „kleine“ Pauke (immerhin 60cm Felldurchmesser) ist ein Zufallsfund eines Cembalobauers aus Bremen. Das Instrument weist mit 27cm Schirmdurchmesser (Pilzform) einen riesigen Schalltrichter auf, dessen Schwingungen beim Spiel deutlich hörbar sind. Die grosse Pauke ist mit 66cm Durchmesser sehr wuchtig. Ihr Kessel ist sehr dünn ausgetrieben und der Schalltrichter ist deutlich kleiner als bei der kleinen Pauke. Dieser Paukensatz kommt bevorzugt bei gross besetzten Werken Händels zum Einsatz, da Händel der Legende nach in London mit den „Tower Drums“ einen Pauken-Satz von überdurchschnittlicher Grösse zur Verfügung gehabt habe (deren tatsächliche Dimensionen sind allerdings wissenschaftlich umstritten). Auch auf diesen Pauken sind Ziegenfelle der Fa. Edlauer aufgezogen.

Barockpauken

(C.W. Moritz, Berlin, ca. 1840)
Moritz-Pauken
Diese Barockpauken wurden Mitte des 19. Jhdts in der Werkstätte der Firma C. W. Moritz gebaut. Die Kessel tragen den Stempel dieser renommierten Blasinstrumenten-Manufaktur. Die Spannreifen weisen eine unübliche unregelmässige Anbringung der Spannschrauben auf, als seien bereits fertige grössere Spannreifen aufgetrennt und verkleinert worden, damit man sie rasch an diese Kessel montieren konnte. Die Instrumente wurden 2009 von der Firma Winkelmann komplett neu aufgebaut.

Barockpauken

(Herkunft unbekannt, vermutlich 18. Jhdt)
Barockpauke 18. Jhdt.
barockpauke bolliFoto: Emil Bolli
Dieses Paar war offensichtlich über Jahrhunderte im Einsatz. Der Kessel der kleinen Pauke wurde vermutlich nach einem Sturz mit einem neuen Boden versehen. Von den ursprünglich angenieteten Beinen sind an der grossen Pauke noch die Nieten erhalten. Die Mechanik wurde vermutlich im 20. Jhdt auf T-Schrauben mit heute seltenen Englischen Gewinden umgebaut. Dazu wurden neue Stahlplättchen an die Beschläge geschweisst und mit den entsprechenden Innengewinden versehen. Auch wurden die Pauken mehrfach mit verschiedenen Farben überpinselt (siehe Bild). Die Schalltrichter im Inneren sind jünger als die Pauken selbst, das verwendete Blech stammt aus industrieller Fertigung. Auf den Bildern sieht man den Fundzustand und den jetzigen Zustand nach Revision. Die T-Schrauben wurden durch spielfreundlichere Steckschlüssel-Schrauben ersetzt; aufgezogen sind Ziegenfelle der Fa. Edlauer direkt auf den Spannreifen.

Unterrichtsangebot

auf der Seite "Unterricht" finden Sie Informationen zu meinen Unterrichtsangeboten. Alle Vorgestellten Instrumente können auf Wunsch bei mir erlernt werden. Auf der Kontakt-Seite können Sie mir Fragen zum Unterricht stellen oder sich gleich anmelden - ich werde Sie gerne kontaktieren, um weitere Details abzusprechen. Und bei dem Kontaktformular können Sie auch angeben, ob Sie über allfällige Instrumentenverkäufe informiert werden möchten.